Arnheim Niederlande

Arnheim: Grün, kreativ und mehr als eine Brücke

Grün & kreativ, so beschreibt sich Arnheim selbst. Und es trifft den Nagel auf den Kopf. Wir haben uns auf den ersten Blick in die Hauptstadt der Provinz Gelderland verliebt: historische Gassen, hippe Boutiquen, gemütliche Cafés, moderne Architektur, coole Kunst, faszinierende Natur. Und damit so viel mehr als „nur“ die berühmte Brücke. Auch wenn ein Besuch der Kriegsmahnmale selbstverständlich dazugehört – zieht sich die Schlacht um Arnheim doch wie ein roter Faden durch die Geschichte der Stadt.

Wir haben für unsere Reise nach Arnheim ein verlängertes Wochenende genutzt, wären aber gerne länger geblieben. Aus dem Rheinland und dem Ruhrgebiet ist Arnheim übrigens auch eine Option für einen Tagesausflug.

Sightseeing in Arnheim

Unser Plan für Arnheim lautete, uns einfach treiben zu lassen – ohne Stress und je nach Wetterlage. Fast alle Sehenswürdigkeiten sind bequem per Fuß zu erreichen. Wer es etwas strukturierter mag, der kann die zentralen Gebäude und Plätze u.a. im Rahmen dieses historischen Stadtspaziergangs entdecken.

Bahnhof Arnhem Centraal

Schöner Reisen: Arnhem Centraal ist der Hauptbahnhof der Stadt und ein architektonisches Kunstwerk des bekannten Architekten Ben van Berkels, der sich u.a. auch für das Stuttgarter Mercedes-Benz-Museum verantwortlich zeichnet. Er wurde nach fast 20 (!!) Jahren Bauzeit im November 2015 eröffnet. Besonders auffällig ist der Terminal, in dem ein komplex geschwungenes, 16 Meter hohes Gewinde aus Stahl, die Verbindung zwischen Erd- und Obergeschoss sowie dem Dach herstellt.

Arnheim Bahnhof

Das Gebäude umfasst insgesamt 90.000 m³ und beherbergt neben einigen Geschäften auch ein Konferenzzentrum. Zudem ist hier die Touristeninformation Visit Arnhem angesiedelt.

Eusebiuskirche

Die spätgotische Eusebiuskirche, auch als „Grote Kerk“ bekannt, ist eine der größten Stadtkirchen der Niederlande und dominiert die Silhouette Arnheims. Sie entstand zwischen 1450 und 1540.

Eusebiuskirche in Arnheim

Als britische und polnische Truppen im September 1944 versuchten, die Rheinbrücke von den Deutschen zurückzuerobern, brannte die Kirche im Zuge der Gefechte fast vollständig aus: ein Teil des Turms und des Kirchenschiffes stürzten ein und das Kircheninnere wurde verwüstet. Nach dem Krieg wurde die Kirche so originalgetreu wie möglich wiederaufgebaut.

Im Kirchenschiff erinnern mehrere Kunstwerke an die Schlacht um Arnheim, so z.B. 19 Bronzeskulpturen britischer Fallschirmspringer an der Decke der Ratskapelle.

Arnheim Fallschirmspringer Eusebiuskirche

Im prachtvollen und lichtdurchfluteten 79 Meter langen und 29 Meter breiten Kirchensaal gibt es zahlreiche historische Zeugnisse zu entdecken. Darunter das Grabmal des Herzogs Karls von Geldern aus dem Jahre 1531. Ebenfalls sehenswert ist die Krypta unter der Eusebiuskirche. Hier liegen unter anderem die Gebeine dreier Neffen Wilhelms von Oranien. Ich muss allerdings gestehen, dass wir bei unserem Rundgang etwas abgelenkt waren – wir landeten nämlich mitten in der „DollsHouse Nederland Show“: eine Puppenhaus- und Miniaturmesse. In den Niederlanden sind Kirchen eben nicht nur zum Beten da… 😉

DollsHouse in der Eusebiuskirche in Arnheim

In den Kirchturm wurde ein gläserner Lift eingebaut, der die Besucher auf eine Höhe von 73 Metern bringt. Die angepriesene Aussicht über Arnheim und das weite Umland konnten uns allerdings nicht so richtig überzeugen.

Eusebiuskirche: Arnheim von oben

Aktuelle Informationen zu den Öffnungszeiten bietet die Website der Eusebiuskirche. Eine Besichtigung des Kirchensaals und eine Fahrt mit dem Panoramaaufzug kosten als Kombiticket sechs Euro.

Walburgis-Basilika

Nur ein paar Schritte von der Eusebiuskirche entfernt liegt mit der Walburgis-Basilika die älteste Kirche von Arnheim. Die frühgotische Pseudobasilika wurde zwischen 1391 und 1423 erbaut und hat im Laufe der Jahrhunderte unterschiedlichen Zwecken gedient: Als katholische Kirche erbaut, wurde sie nach der Reformation u.a. als Waffenarsenal, Pferdestall, Militärgefängnis und Armeemagazin genutzt. 1808 gab König Louis Bonaparte sie der Kirche zurück. 1944 wurde die Walburgis-Basilika schwer beschädigt, der Wiederaufbau dauerte bis 1950. Auffällig ist, dass der linke Turm drei Fenster hat, der rechte aber nur zwei – ob dahinter eine besondere Bedeutung steckt, konnten wir leider nicht in Erfahrung bringen.

Walburgis-Basilika in Arnheim

Direkt vor der Walburgis-Basilika und damit zwischen den beiden Kirchen befindet sich das 1964 erbaute neue Rathaus. Hier haben wir es uns eine Weile am Brunnen gemütlich gemacht, bevor wir uns auf den Weg zur Brücke von Arnheim machten.

Die Brücke von Arnheim

„Ach, da gibt es doch diesen Film?“: Das ist wohl die Standreaktion, wenn man erzählt, dass man nach Arnheim reist. „Die Brücke von Arnheim“ (Originaltitel: A Bridge Too Far) ist ein 1977 produzierter Hollywoodepos über den Zweiten Weltkrieg, genauer gesagt die Operation Market Garden. Der Codenamen bezeichnet eine Offensive der Alliierten, die das Ziel hatte, aus dem bereits befreiten Belgien ins Zentrum der Niederlande vorzustoßen und anschließend nach Deutschland vorzurücken. Die Arnheimer Brücke lag am Ende eines 127 km langen Korridors, der von Süden her erobert werden sollte – Fallschirmjäger sollten den deutschen Widerstand brechen. Die deutsche Übermacht war jedoch zu groß, die Operation scheiterte und ein Großteil der Stadt zerstört.

Atelleriegeschütz an der Brücke von Arnheim

Das Artilleriegeschütz nahe der Brücke (heute übrigens offiziell John-Frost-Brücke), erinnert nachdrücklich an die Operation Market Garden. Das Kriegsdenkmal ist nach Jacob Groenewoud benannt, einem niederländischen Offizier, der bei den Gefechten um die Brücke sein Leben verlor.

Arnheim Krieg

Ein weiteres Kunstwerk nahe der Brücke ist die „Sphinx of Arnhem“ des Künstlers Marcel Smink. Nach langem Rätselraten bin ich zu dem Schluss gekommen, dass der Kopf den US-amerikanischen General und Politiker George C. Marshall zeigt. Bekannt, für den nach ihm benannten  Marshallplan, der die enorme wirtschaftliche Not nach dem Zweiten Weltkrieg lindern sollte.

Arnheim Skulptur

Wer mehr über die Schlacht um Arnheim erfahren möchte, dem empfehle ich einen Besuch im Informationszentrum zur Schlacht um Arnheim direkt am Fuß der Brücke sowie im Airborne Museum „Hartenstein“ in Oosterbeek.

Parks in Arnheim

Arnheim ist definitiv grün – überall in der Stadt locken Parks und Stadtgärten. Und auch die Umgebung hat Natur pur zu bieten.

Bartokpark

30 Meter lang, 12 Meter breit und 9 Meter hoch: Da biegt man nichtsahnend um die Ecke und steht mitten in der Stadt plötzlich vor einem roten Riesenferkel.

Arnheim: Erdferkel im Bartokpark

Die Skulptur aus Beton und Stahl des niederländischen Künstlers Florentijn Hofman ist ein Geschenk des Königlichen Burgers‘ Zoo zum hundertjährigen Bestehen im Jahr 2013. Der Künstler ließ sich dabei von Erdferkeln inspirieren, da diese Tierart in den Niederlanden nur im Burgers‘ Zoo gehalten wird und dieser auch Europas erfolgreichster Züchter ist.

Kinder können auf dem Riesenferkel nach Herzenslust klettern. Leider ist das umliegende Gelände aktuell in einem eher ungepflegten Zustand. Wer die Erdferkel gerne einmal live erleben möchte, findet hier übrigens alle notwendigen Informationen für einen Besuch im Burgers‘ Zoo und kann sich hier einen ersten Eindruck verschaffen:

Sonsbeek Park

Wälder, Wiesen, Bäche, Weiher und Wasserfälle: Der Sonsbeek Park ist eine grüne Oase mitten in der Stadt und lädt zum Spaziergehen und Verweilen ein. In der Anlage sind zudem ein Schloss, ein Bauernhof und eine Wassermühle aus dem 16. Jahrhundert (Witte Watermolen) zu finden. In letzterer ist auch das Besucherzentrum untergebracht, welches über Wanderungen und Aktivitäten informiert.

Im Park sind auch mehrere Cafés und Restaurants angesiedelt. Wir haben unseren Kaffee auf der Terrasse des Grand Cafe Aan de Beek genossen.

Sonsbeek Arnheim

Und nicht zu vergessen: Im Park gibt es auch Tiere – mehr als die Rehe haben uns allerdings die zutraulichen „Stadtkühe“ fasziniert.

Stadtkuh in Arnheim

Nationalpark De Hoge Veluwe

Eines meiner absoluten Highlights in Arnheim ist der Nationalpark De Hoge Veluwe. Deshalb wird es dazu auch einen separaten Beitrag geben. So viel sei aber bereits verraten: Die grüne Schatzkammer der Niederlande vereint auf 5400 Hektar Wälder, Heidefelder, Sandverwehungen, Moore und Seen, die entweder mit dem Auto, zu Fuß oder mit einem der 1.800 kostenfreien Räder erkundet werden können. Darüber hinaus lockt das Kröller-Müller-Museum mit seinem wunderschönen Skulpturengarten sowie der zweitgrößten Van-Gogh-Sammlung der Welt.

Nationalpark De Hoge Vuelve Arnheim

Shopping in Arnheim

An der Arnheimer Kunstakademie ArtEZ, wird u.a. bildende Kunst und Mode unterrichtet und das spiegelt sich auch im Shoppingangebot wider: Sowohl in der Innenstadt als auch im Modekwartier Arnhem sind Ateliers und Boutiquen junger Modedesigner angesiedelt. Außerdem begeisterten uns die zahlreichen Interior-, Antiquitäten- und Vintageshops. Vor allem bei Eems Arnhem wanderte das eine oder andere Dekostück in die Einkaufstüte.

Arnheim kulinarisch

In der gesamten Stadt locken zahllose Cafés und Restaurants. Und so standen wir wieder einmal vor der sprichwörtlichen Qual der Wahl. Diese drei Cafés bzw. Restaurants haben wir getestet:

  • Leckere Snacks und unwiderstehlichen Kuchen gibt es bei Urban Chef in der Koningstraat 50. Sehr zentral in der Innenstadt gelegen und damit ein perfekter Shopping- und/oder Sightseeing-Zwischenstopp. Mein Favorit.

Urban Chef Arnheim

  • Gemütlich geht es im CASPAR zu. Das Café liegt im Arnheimer Modekwartier und bietet neben Snacks und Kuchen auch eine wechselnde kleine Abendkarte an. Die Bierauswahl ist groß. Es liegen außerdem Zeitschriften, Zeitungen und Spiele bereit.
  • Ebenfalls im Modekwartier angesiedelt ist das Restaurant Goed Proeven, das sowohl eine Lunch- als auch eine Abendkarte anbietet. Das Konzept ist einer Tapas-Bar nachempfunden: kleine Portionen, die nach Belieben miteinander kombiniert werden können. Die Karte ist dabei international. Das Restaurant ist relativ groß und sehr gut besucht.

Übernachten in Arnheim

Unser Hotel will ich euch natürlich auch nicht vorenthalten. Das Mode Design Hotel Modez liegt direkt im Modekwartier und alle Zimmer sind individuell gestaltet. Wir waren in Raum 6 von Fashion-Designer Antoine Peters. Und ja, die QR-Codes funktionieren – mit mehr oder weniger pikantem Ergebnis… 😉

Insgesamt hat uns das Hotel sehr gut gefallen. Das Personal war nett und das Frühstück lecker. Und auch die Lage hat uns überzeugt: Viele schöne Geschäfte und man kann in der Umgebung kostenlos parken. In den Niederlanden ist das ja sonst schnell mal ein teurer Spaß. Minuspunkt könnte bei warmem Wetter (und offenem Fenster) die Nachbarschaft zu den Bahngleisen sein.

Ihr habt Fragen oder noch weitere Tipps rund um Arnheim? Dann freue ich mich über euren Kommentar. Und wer Lust auf mehr Informationen zu Arnheim hat, dem empfehle ich hier weiterzulesen:

18 Gedanken zu “Arnheim: Grün, kreativ und mehr als eine Brücke

  1. Hallo,

    erstmal vielen Dank für das Verlinken unseres Zooberichtes.

    Ich bin schon so oft durch Arnheim durchgefahren, zum Zoo oder zu anderen Zielen in den Niederlanden. Wenn ich das hier so lese, muss ich wohl doch mal einen Stop in der Stadt einplanen.

    LG Thomas

    1. Hallo Thomas, gerne – wir haben den Zoo zeitlich leider nicht mehr geschafft. Ein Stop lohnt sich wirklich! Wir wollten ursprünglich auch nur durchfahren, aber dann war uns Den Haag doch zu weit. Zum Glück 😉 LG Katharina

  2. Oh wow, das nenne ich mal einen ausführlichen Artikel. Ich habe selbst lange in Amsterdam gewohnt, hab es leider nie nach Arnheim geschafft, pack es aber direkt auf meine Liste. Danke!

    1. Gerne 😉 Amsterdam fehlt mir noch auf meiner Niederlande-Landkarte. Irgendwie hat es mich bisher immer eher in die kleineren Städte gezogen. Aber irgendwann werde ich das noch nachholen.

  3. Hallo Katharina,

    Arnheim sehe ich jeden Tag, wenn ich nach Hause fahre auf dem Autobahnschild 😉 Es ist wirklich nicht mehr weit bis dahin und dennoch war ich bisher erst im Burgers Zoo. Von dem Nationalpark habe ich schon sehr viel positives gehört und bin gespannt auf deinen Artikel!
    Liebe Grüße
    Sabine

    1. Hallo Sabine,
      Du solltest dem Schild unbedingt mal folgen 😉 Der Nationalpark hat mich wirklich total begeistert – das ist ein super Konzept: Natur und Kunst.
      LG
      Katharina

  4. Hallo Katharina,
    einfach treiben lassen ohne Stress und je nach Wetterlage – genau so schaue ich mir inzwischen Städte auch an! Die Zeiten mit Reiseführer und ToDo-Liste sind vorbei (wobei, das hatte ich eh nie so ausgeprägt). So lernt man eine Stadt und ihre Menschen irgendwie am entspanntesten kennen und macht Begegnungen, die man sonst nicht hätte. Arnheim hätte ich nie auf dem Schirm gehabt, scheint aber wirklich interessant. Vor allem der neue Bahnhof gefällt mir!
    Liebe Grüße
    Barbara

    1. Hallo Barbara,
      wir planen in Städten auch nur noch grob vor und schauen dann einfach was kommt. Meistens vertrödeln wir auch ziemlich viel Zeit in irgendwelchen Cafés 😉
      LG
      Katharina

  5. Liebe Katharina,

    leider war ich bislang noch nie in Arnheim, aber dein Artikel macht Lust auf mehr. Ich hatte ja keine Ahnung, dass Arnheim so viel Kunst zu bieten hat – alt wie neu. Vom Bahnhof bis zur Eusebiuskirche – das sieht alles fantastisch aus. Vielleicht schaffe ich es auch irgendwann mal dorthin. Ich danke dir jedenfalls für die tollen Eindrücke. 🙂

    Viele liebe Grüße
    Kathi

    1. Liebe Kathi,
      für mich war Arnheim auch total unbekanntes Terrain. Wir wollten eigentlich nach Den Haag fahren, aber das war uns dann doch zu weit. Also haben wir uns einfach eine Stadt davor ausgesucht – eine gute Entscheidung… 😉
      LG
      Katharina

  6. Liebe Katharina,
    vielen Dank für den Artikel. Ich wußte nicht, daß Arnheim so viel zu bieten hat. Ich glaube, ich muß auch mal die Stadt besuchen und nicht nur den Zoo.
    Vielen Dank auch für die Verlinkung meines Zooartikels.
    LG
    Ina

  7. Klingt nach einem tollen Städtetrip. Den Film kenne ich natürlich auch, aber vor Ort war ich noch nie. Am lustigsten finde ich das Riesenerdferkel, da möchte ich auch gleich losklettern.

  8. Arnheim…wo liegt nur Arnheim….mein erster Gedanke. Dann fiel auch mir der Film ein und ich hatte wenigstens so eine ungefähre Vorstellung. Aber ehrlich gesagt habe ich lieber noch einmal nachgeguckt 🙂
    Ich finde es toll Berichte über Orte zu lesen, die mal nicht dem Mainstream aller Reisende unterliegen. Es gibt so viele interessante Plätze auf der Welt und Arnheim gehört nicht nur aufgrund seiner Geschichte mit Sicherheit dazu.
    Lieben Gruß, Susanne

  9. Da wird sich das kleine Städtchen aber über einen solchen ausführlichen Bericht freuen. Die Brücken dort sehen ja wirklich klasse aus. Wenn ich an Holland und an die Niederlande denke, kommen mir gleich die vielen Brücken in den Kopf.

    Liebe Grüße Daniela

  10. Einige Bilder kamen mir schon aus Instagram bekannt vor 😉 Krieg und Kunst, kann man Arnheim so zusammenfassen? Als Zwischenstopp klingt das Städtchen ganz nett, ob es genug für einen kompletten Städtetrip hergibt…?

    LG
    Jenny

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