Goldene Toiletten und grüne Wiesen: ein Tag in Salisbury

Grüne Landschaften, ein historischer Stadtkern und eine der schönsten Kathedralen Englands: Salisbury überzeugt uns auf den ersten Blick. Die Hauptstadt der Grafschaft Wiltshires ist klein aber fein. Wer Action sucht, ist hier falsch – wer Ruhe, leckeres Fudge und interessante Geschichten sucht, genau richtig.

Es grünt so grün

Salisbury ist eine grüne Oase. Nicht zuletzt, weil sich hier gleich vier Flüsse treffen: Avon, Bourne, Nadder und Wylye. Besonderes schön sind die Water Meadows zwischen Harnham und Salisbury, die wir auch sofort bei unserer Ankunft genießen können. Wir haben nämlich in der Old Mill in Harnham eingecheckt. Die Mühle aus dem 12. Jahrhundert ist heute ein Hotel mit elf Zimmern und einem wunderschönen Biergarten.

Die Old Mill in Harnham: Idyllisch gelegen und mit einem wunderschönen Biergarte
Die Old Mill in Harnham: Idyllisch gelegen und mit einem wunderschönen Biergarten.

Der rund 20-minütigen Spaziergang von der Old Mill in die Innenstadt führt quer durch die Water Meadows, besonders reizvoll sind die eindrucksvollen Ansichten auf die Kathedrale. Sie haben den englischen Maler John Constable bereits vor fast 200 Jahren zu seinem berühmten Gemälde „Kathedrale von Salisbury“ inspiriert.

Wie in einem Fantasy-Roman: Der Blick von den Water Meadows.
Wie in einem Fantasy-Roman: Der Blick von den Water Meadows.

Im historischen Stadtkern von Salisbury laden viele kleine und individuelle Geschäfte zu einem Bummel ein. Mein absoluter Favorit ist Roly’s Fudge Salisbury in der High Street. Das beste Fudge meines Lebens 🙂

Fudge so weit das Auge reicht: Einfach nur lecker.
Fudge so weit das Auge reicht: Einfach nur lecker.

Aber Achtung: Die Bürgersteige werden in Salisbury Punkt 17 Uhr hochgeklappt. Danach ist in der Stadt nicht mehr viel geboten.

Die Salisbury Cathedral

Natürlich zieht es auch uns zur Salisbury Cathedral, die mit ihrem 123 Metern hohen Turm das gesamte Stadtbild prägt. Sie wurde zwischen 1220 und 1265 in der Rekordzeit von nur 45 Jahren errichtet und ist ein Paradebeispiel für die englische Frühgotik. Den Turm verdankt sie dabei einer göttlichen Eingebung: Er wurde erst 1315 und damit rund 60 Jahre nach der Fertigstellung ergänzt. Wem die Kathedrale bekannt vorkommt – sie diente als Vorlage für Ken Follets Roman „Die Säulen der Erde“.

Schon alleine das Areal der Kathedrale ist beeindruckend. Der Cathedral  Close ist eine 32 000m² große Rasenfläche, die von historischen Gebäuden und Museen umgeben ist. Von außen sticht besonders die Westfassade ins Auge: sie ist mit kunstvollen Ornamenten verziert. Im Innenraum fällt sofort die Helle und Weitläufigkeit auf, sehenswert ist außerdem der Kreuzgang. Ein Besuchermagnet ist die hier ausgestellte Magna Charta – eines von vier noch erhaltenen Exemplaren.

Geschichte und Geschichtchen auf der Tower Tour

Unser absolutes Highlight ist allerdings die Tower Tour. Eine rund zweistündige Führung durch die Dachkammern der Kathedrale: fünf Stockwerke und 332 Stufen voller Geschichten. Erzählt von unserem Guide Alan Castle. Wir starten im Schiff der Kathedrale mit einem historischen Abriss, dem Ertasten der verbauten Materialien und dem Hinweis, dass es auf der Tour keine Möglichkeit gibt, eine Toilette aufzusuchen. Ein kleines Detail, das später noch für Gelächter sorgen wird.

Die Salisbury Cathedral diente als Vorlage für Ken Follets Roman "Die Säulen der Erde".
Die Salisbury Cathedral diente als Vorlage für Ken Follets Roman „Die Säulen der Erde“.

Die erste schmale Treppe ist genommen und uns eröffnet sich ein toller Blick über das Kirchenschiff.

Ein wunderschöner Blick in das Kirchenschiff der Salisbury Cathedral.
Ein wunderschöner Blick in das Kirchenschiff der Salisbury Cathedral.

Danach geht es durch den Raum zwischen dem Gewölbe des Schiffs und dem Dach. Hier sind einige Statuen ausgestellt und wir erfahren noch mehr Details zur Geschichte der Kathedrale, bevor es über immer schmaler werdende Treppen weiter nach oben geht. Und so langsam werden sie sichtbar: Stabilisierungsmaßnahmen, die verhindern, dass das Gewicht des Turmhelms die Mauern auseinander drückt. Schon während des Baus fing der Turm an, sich nach Südwesten zu neigen. Seitdem wurde immer wieder nachgebessert – zuletzt im Jahr 2000.

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Ohne Stabilisierungsmaßnahmen würde der Turm heute nicht mehr stehen.

Das Thema Restaurierung ist seit Jahrhunderten ein Dauerbrenner. Schön fand ich die Idee, für einen kleinen Geldbetrag ein Stückchen Turmfenster zu erwerben und individuell zu verzieren. Der für solche Aktionen zuständige Salisbury Cathedral Trust steht unter der Schirmherrschaft Prince Charles. Als er vor Jahren die Kathedrale zu Werbezwecken besuchte und dabei auch den Turm bestieg, wurde hier tatsächlich eine goldene Toilette eingebaut. Exklusiv für den Thronfolger. Und nach dem Besuch unverrichteter Dinge wieder abgebaut…

Eine schöne Idee: Verewigt in der Salisbury Cathedral.
Eine schöne Idee: Verewigt in der Salisbury Cathedral.

Sind alle 332 Stufen bezwungen, wird man mit einem wundervollen Ausblick belohnt und kann mit ein wenig Glück die auf dem Turm brütenden Wanderfalken beobachten. Bei uns waren sie leider gerade ausgeflogen.

Der Lohn für 332 Stufen: Ein fantastischer Ausblick über Salisbury.
Der Lohn für 332 Stufen: Ein fantastischer Ausblick über Salisbury.
Im Überblick
Der Besuch der Kathedrale ist kostenlos, es wird aber um eine Spende gebeten. Montag bis Samstag ist von 9 bis 17 Uhr geöffnet, am Sonntag von 10 bis 16 Uhr. Die Tower Tour kostet 12,50 Pfund pro Person und findet je nach Jahreszeit ein bis fünf Mal täglich statt – die Teilnehmerzahl ist stark begrenzt. Eine Online-Buchung ist möglich. Wer unter Höhen- oder Platzangst leidet, sollte besser auf die Tour verzichten.

Das mystische Umland

Wir hatten für Salisbury leider nur einen Tag eingeplant. Gerne hätten wir noch einen weiteren beliebten Ausflugspunkt vor den Toren der Stadt besucht: das seit 800 Jahren verlassen daliegende Old Sarum. Hier erwarten die Besucher eine kleine Burganlage sowie die Grundmauern der alten Kathedrale. Von Salisbury aus bietet sich außerdem ein Ausflug in das rund 20 Minuten entfernte Stonehenge an.

Du hast noch Tipps für einen Aufenthalt in Salisbury oder Fragen? Dann freue ich mich über Deine Nachricht!

12 Gedanken zu “Goldene Toiletten und grüne Wiesen: ein Tag in Salisbury

  1. Salisbury ist wirklich hübsch, das sehe ich jetzt wieder an deinen Fotos. Für mich hat sich die Stadt leider aufgrund eines unschönen Park-Erlebnisses sehr negativ eingebrannt, und ich habe feierlich geschworen, sie nie wieder zu betreten. An alle Nachreisenden daher die Warnung: Wenn die Briten „pay and display“ an ihre Parkplätze schreiben, dann ist ihnen beides gleich wichtig. Wir hatten damals entweder aus Blödheit oder wegen eines Windstoßes oder warum auch immer unseren Parkzettel falsch herum aufs Armaturenbrett gelegt. Obwohl wir, als das Falschparker-Ticket unterm Scheibenwischer klemmte, sofort fotografisch festgehalten haben, dass wir rechtzeitig wieder da waren und ein gültiges Ticket besessen hatten, und obwohl ich mit der Dame vom Amt mehrere E-Mails ausgetauscht habe, war sie nicht davon abzubringen, dieselbe Summe von mir zu fordern, als wenn ich absichtlich falsch geparkt hätte. Da rege ich mich heute noch drüber auf, wenn ich daran denke! 🙂
    Davon abgesehen ist Südengland generell eine herrliche Gegend!

    1. Das ist wirklich eine ärgerliche Geschichte. Schade, dass für Dich damit die ganze Stadt negativ behaftet ist. Aber ich kenne solche Situationen… 😉

      Parken in England ist eh so eine Sache. Uns hat so mancher Parkautomat an den Rand der Verzweiflung gebracht. Wir haben schon ernsthaft an unseren Englischkenntnissen gezweifelt – haben dann aber festgestellt, dass die Einheimischen nicht weniger Probleme haben.

      Und ja, Südengland ist herrlich. Hatte das im Vorfeld gar nicht so erwartet. Das wird sicher nicht mein letzter Besuch gewesen sein.

  2. Wir waren seinerzeit auch sehr beeindruckt von der Kathedrale. Für das Städtchen hatten wir nicht so viel Zeit, auf einer Kreuzfahrt ist die Zeit eben etwas begrenzt, die man zur Verfügung hat. Das eigentliche Ziel des Ausflugs war ja auch Stonehenge.

    1. Hallo Hans-Georg,
      würdest Du Stonehenge empfehlen? Das haben wir zeitlich leider nicht mehr geschafft. Uns wurde auch ein paar Mal von einem Besuch abgeraten. Die Meinungen scheinen da sehr weit auseinander zu gehen.
      Viele Grüße
      Katharina

      1. Hallo Katharina.
        Uns hat Stonehenge sehr gut gefallen. Es war ein Halbtagesausflug von Southampton aus, den wir morgens gemacht haben. Die Reiseleitung war überrascht, wie wenig Menschen in Stongehenge waren. Später am Tag sind sicher mehr Menschen dort.
        Mir persönlich hat Stonehenge „ewtas gegeben“, als hätte ich „etwas gefühlt“, es war ganz eigenartig. Schau dir die Fotos an und lies einfach, was ich dazu geschrieben habe.

    1. Hallo Daniela,
      schön, dass Dir Salisbury gefällt 🙂 Bei mir war es auch die erste Reise nach England – und jetzt frage ich mich, warum ich so lange damit gewartet habe. Ist dank der kurzen Flugzeit auch echt entspannt.
      Liebe Grüße
      Katharina

  3. Hallo Katharina,

    danke für diese lebendige Beschreibung von Salisbury. Ich kann richtig nachempfinden, dass Euch der Besuch in der Stadt gefallen hat, mit den kleinen und grossen Entdeckungen, die gemacht werden können.

    Vor über 20 Jahren war ich letztmalig in dieser Region – damals noch auf Sprachreise. Es wird Zeit, einmal dorthin zurückzukehren. Vielleicht gibt es ja dann wieder eine Goldene Toilette ;-).

    Fussige Grüsse, Jana

    1. Hallo Jana,
      ich kann Dir Südostengland wirklich nur empfehlen – so viele tolle Städte! Und von Deutschland aus sehr entspannt und günstig zu erreichen.
      Liebe Grüße
      Katharina

  4. Danke für den schönen Bericht! Auch uns hat Salisbury gut gefallen!
    Besonders nett fanden wir das Cafe/Tearoom neben der Ostseite(?) der Kathedrale. Man sitzt dort schön und hat stets die Kirche im Blickfeld. Dieses Cafe wird von – wie so oft – sehr netten Leuten der Kirchengemeinde betrieben.
    Die Magna Charta hat uns ebenfalls sehr beeindruckt! Vor allem die Schrift!
    Es sieht aus wie gedruckt. So akkurat geschrieben!
    Zum Thema Parken: da unser Cottage ca. 15 km von Salisbury entfernt war, haben wir immer das „Park & Ride“ benutzt. Sehr, sehr empfehlenswert! Parken plus Busticket (hin + zurück, für bis zu 4 Personen) kostet 3,50 Pfund. So gelangt man stressfrei direkt in die City.
    Haben das auch in Canterbury, Oxford und Cambridge so gemacht.
    Wir haben in den drei Wochen (Mai/Juni) Südengland schätzen und lieben gelernt und werden das auf jeden Fall wieder machen!
    LG aus Franken
    Andreas

    1. Hallo Andreas,
      vielen Dank für den Tipp mit dem Parken! Das ist ein guter Hinweis. So lässt sich jede Menge Geld sparen und stressfreier ist es auch noch. Wir konnten in Salisbury vom Hotel aus laufen. Es waren zwar ein paar Meter, aber der Weg durch die Water Meadows ist einfach traumhaft!
      Liebe Grüße
      Katharina

  5. Fudge?! Ich komme! 😉

    Salisbury soll wirklich sehr schön sein, ich war noch nicht dort. Die Old Mill klingt als Unterkunft mit Biergarten wirklich verlockend, und die Stadt ist ja mitsamt Kathedrale sehr bekannt.

    Danke für den super Bericht! Gute Fotos, interessanter Text – genau so stelle ich mir einen Blogbeitrag vor. Ich würde am liebsten gleich hinfahren und wüsste auch schon, was ich dort mache. Danke!

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