Ahoi aus Portsmouth: Wasser, Schiffe und Mee(h)r

Ahoi aus Portsmouth: Schiffe und Mee(h)r

Wenn ich an Portsmouth denke, muss ich an Jill denken. An leckeres englisches Frühstück, lustige Zeitreisen, Diskussionen über den Brexit und ein gemütliches Reihenhäuschen in Old Portsmouth mit Blick auf’s Meer. Während des Schreibens kann ich sich sie förmlich hören: Eine schelmische englische Lady, die mir lachend erzählt, wie das in Portsmouth früher mit den (See-)leuten so war. Das sind die Momente, in denen ich weiß, warum ich so gerne mit Airbnb verreise.

Warum Seeleute? Portsmouth blickt auf eine 800-jährige Seefahrtsgeschichte zurück und ist bis heute der wichtigste Marinestützpunkt der Royal Navy. Dreh- und Angelpunkt der Stadt ist der aufwendig renovierte Hafen, der teilweise in ein Wohn- und Geschäftsviertel umgebaut wurde. Außerdem befindet sich hier mit den Gun Wharf Quays ein großer Freizeit- und Erlebniskomplex mit angeschlossenem Outlet Shopping Center. Unübersehbar ist der 170 Meter hohe Spinnaker Tower, der für knapp zehn Pfund pro Person einen tollen Blick über den Hafen und die Stadt verspricht.

Der Spinnaker Tower gilt als Wahrzeichen von Portsmouth.
Der Spinnaker Tower gilt als Wahrzeichen von Portsmouth.

Seefahrtsgeschichte im Portsmouth Historic Dockyard

Der Portsmouth Historic Dockyard ist das größte Marinemuseum der Welt und liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zum Hafen. Es beherbergt zahlreiche Schiffe, die in der Geschichte Englands eine wichtige Rolle spielten. Darunter die Victory, das Schiff von Admiral Lord Nelson, auf dem er während der Schlacht bei Trafalgar tödlich verwundet wurde. Außerdem die HMS Warrier 1860 – das erste ozeantaugliche Schiff mit einem eisernen Rumpf. Beide Schiffe wurden umfangreich restauriert und vermitteln einen authentischen Eindruck vom historischen Leben auf See.

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Seefahrtsgeschichte hautnah: der Portsmouth Historic Dockyard.

Mein persönliches Highlight ist allerdings das Mary Rose Museum. Von Heinrich VIII in Auftrag gegeben und 1511 vom Stapel gelaufen, wurde die Mary Rose im Juli 1545 bei einem Seegefecht gegen eine französische Invasionsflotte versenkt. Erst 426 Jahre später findet man sie vor der Isle of Wight wieder und mit der Hilfe von hunderten Experten und Freizeitarchäologen werden 19.000 Gegenstände aus dem Inneren des Wracks geborgen. 1982 wird die Mary Rose schließlich geborgen und ein über 30-jähriger (!) Konservierungsprozess beginnt: Zwölf Jahre lang wird die Schiffshälfte gegen Bakterien und Mikroben mit kaltem Wasser bespritzt, danach 19 Jahre lang mit einer Wasser-Wachs-Mischung. Aktuell wird das Wrack der Mary Rose mit heißer Luft getrocknet – dazu steckt das Schiff innerhalb des Museums in einer gläsernen Heißluft-Box. Eine wirklich spannende Ausstellung. Auch für Landratten.

Auf dem Gelände des Portsmouth Historic Dockyards kann man sich locker einen kompletten Tag aufhalten. So findet sich hier z.B. auch das Royal Naval Museum, das eine Vielzahl von Ausstellungsstücken zur Geschichte der englischen Marine präsentiert. Mehrere Restaurants und Cafés sorgen für das leibliche Wohl.

Im Überblick
Man kann Einzeltickets pro Schiff erwerben oder All Attraction Tickets, die ich persönlich empfehlen würde. Alle Tickets sind jeweils für ein volles Jahr gültig, d.h. einem mehrmaligen Besuch steht nichts im Weg. Wir haben uns für das Ticket für 33 Pfund pro Person entschieden. Online sind die Tickets etwas günstiger. In den All Attraction Tickets ist auch eine Hafenrundfahrt enthalten.

Durchatmen und das Meer genießen

Portsmouth lädt absolut zum Entspannen ein: Man kann kilometerlang am Wasser entlanglaufen und sich die frische Meeresluft um die Nase wehen lassen. Wir haben als Startpunkt den Round Tower in Old Portsmouth gewählt und sind vorbei am Square Tower, der Royal Garisson Church und dem obligatorischen Rummel mit Riesenrad bis zum Southsea Castle und dem D-Day Museum gelaufen. Das sind insgesamt rund zwei Kilometer. Unterwegs gibt es zahlreiche Möglichkeiten, Pausen einzulegen und das Panorama zu genießen – die Isle of Wight am Horizont. Besonders schön fand ich das Café The Canteen direkt an/in der alten Hafenmauer gelegen.

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Achtung: Manchmal wird man auch nass.

Southsea erkunden

Nicht verpassen sollte man einen Bummel durch das Herzen des Stadtteils Southsea. Hier laden viele alternative Geschäfte und gemütliche Cafés zum Verweilen ein. Jeweils am ersten Wochenende des Monats findet außerdem ein Markt statt. Mir hat es vor allem Head Case Curious in der Elm Grove angetan – so abgefahrene Accessoires und Dekoartikel habe ich bisher selten gesehen. Unbedingt zu empfehlen ist ein Stopp bei Southsea Coffee in der Osborne Road. Hier sind der Kaffee, die Shakes und das Essen hervorragend.

Toasted banana bread with vanilla mascarpone, berries, honey.
Toasted banana bread with vanilla mascarpone, berries, honey.

Wer auf der Suche nach einem guten Pie ist, sollte außerdem bei Pie & Vinyl in der Castle Road einkehren: große Auswahl, super gemütlich und super lecker!

Pie, Pie & Pie... ;-)
Pie, Pie & Pie… 😉

In Southsea schuf Sir Arthur Conan Doyle übrigens auch die Figur des Sherlock Holmes. An vielen Häusern finden sich entsprechende Informationstafeln.

Was wir nicht mehr geschafft haben

Wer will, kann in Portsmouth auf den Spuren von Charles Dickens wandeln. Sein Geburtshaus wurde restauriert und im Stil der damaligen Zeit eingerichtet. Eine kleine Ausstellung gibt einen Einblick in das Leben des bekannten Dichters.

Viele nutzen Portsmouth als Starpunkt für einen Besuch der Isle of Wight. Täglich verkehren unzählige Fähren zwischen dem Festland und der Insel. Am schnellsten geht es mit dem Hovercraft, das nur rund 15 Minuten für die Überfahrt benötigt.

Hast Du noch Tipps für einen Aufenthalt in Portsmouth oder Fragen? Dann freue ich mich über Deine Nachricht!

9 Gedanken zu “Ahoi aus Portsmouth: Schiffe und Mee(h)r

    1. Hallo Alexandra,
      ja, es hat sich in den letzten Jahren wohl richtig viel verändert. Das hat unsere Gastgeberin auch erzählt. Es wurde wahnsinnig viel gebaut und verändert. Allerdings scheint das auch mit extrem steigenden Preisen einhergegangen zu sein – gerade was die schönen Wohnlagen am Meer betrifft…
      Liebe Grüße
      Katharina

  1. Das klingt nach viel Sehenswertem. Ich liebe ja alternative Läden und urige Märkte. Das wäre sicherlich etwas für mich 🙂 Dann noch direkt am Hafen und Charles Dickens… steht auf meiner Liste 😉

  2. Hallo, der Beitrag ist perfekt für mich denn in Portsmouth war ich noch nie. Aber es steht auf der Reiseliste, denn ich will das Schiff von Nelson unbedingt mal sehen. Spätestens dann kommt dein Beitrag mit den ganzen Tipps wunderbar! Außerdem glaube ich, dass man das gut als Tagesausflug von London aus machen kann. Vielen Dank!
    Beste Grüße
    Simone

  3. Hallo Katharina,
    wow, in Portsmouth hat sich ja wirklich viel getan! Die Stadt ist zum einen kaum wiederzuerkennen, auf der anderen Seite hat sie so wie Du schreibst, dann doch ihren Charme behalten. Mir gefiel es dort sehr gut, so entspannt, wunderbare Ausblicke aufs Meer, dazu einen Cream Tea. Und mich hat die Mary Rose damals schon fasziniert. Ich war 1982 dort, glaube ich, damals muss sie ja gerade erst gehoben worden sein… Wenn ich etwas mehr Zeit habe, gehe ich mal alte Alben wühlen. Ich war dort in der Gegend damals im Schüleraustausch.
    Liebe Grüße,
    Barbara

  4. Liebe Katharina,
    das hört sich alles sehr attraktiv an. Ich liebe Schiffsmuseen und die Geschichte mit der Mary Rose ist ja der Hammer!
    Auch die Foodporn-Bilder machen mir den Mund wässrig.
    Denke, da muss ich mal hin.

    LG
    Gina

  5. Liebe Katharina,
    ich speichere mir deinen Artikel direkt einmal ab. Portsmouth stand bislang noch nicht auf meiner Liste, aber dein Bericht macht schon Lust auf Meer. 🙂
    Und ein Besuch im Head Case Curious würde mich ungalublich interessieren. 😉
    Vielen Dank für den tollen Bericht.

    Viele liebe Grüße
    Kathi

  6. Portsmouth sieht nach einer wirklich tollen Stadt aus. Dem Mary Rose Museum würde ich auf alle Fälle auch gerne einen Besuch abstatten. Und die Bilder vom Pie und des Bananenbrots sehen köstlich aus 🙂
    lg aus Ecuador

  7. Hallo Katharina,
    ich liebe Hafenstädte und ihr spezielles Flair. Und wenn dann dann auch auch noch geballte Geschichte und Literatur dazu kommt, wäre ich schon begeistert. Aber dann auch noch die Geschichte der Restauration Mary Rose: Das könnte tatsächlich ein Grund werden, mal auf die Insel zu fahren! Danke für diesen inspirierenden Artikel.
    Viele Grüße
    Klaus

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