Teufelsberg Berlin

Teufelsberg Berlin: ein Lost Place als urbane Galerie

Der Teufelsberg im Berliner Grunewald ist mehr als ein Lost Place. Er ist Aussichtspunkt, Monument der Geschichte und Galerie. Entdeckt mit mir die ehemalige Abhörstation.

Die Geschichte des Teufelsbergs

Nachkriegszeit und Kalter Krieg

Die Entstehung des Teufelsbergs – mit fast 120 Metern die zweithöchste Erhebung Berlins – ist eng mit der deutschen Nachkriegsgeschichte verbunden: An der Stelle des Berges befand sich zu Zeiten des Nationalsozialismus der Rohbau der Wehrtechnischen Fakultät. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dieser gesprengt und das Areal zur Schuttdeponie umfunktioniert. Bis 1972 sammelten sich hier die Überreste von rund 15.000 Wohnhäusern an. Danach wurde der Hügel mit Bäumen bepflanzt und es entstand ein Naherholungsgebiet.

Allerdings zeigten die Amerikaner bereits in den 60er Jahren Interesse an dem Areal und testeten mit Antennenwagen, ob eine Spionage vom Schuttberg aus möglich sei. Nach 1972 wurden große Teile des Teufelsbergs komplett für Abhör- und Spionagetätigkeiten reserviert und er erhielt sein bis heute erhaltenes Erkennungsmerkmal: die Radarkuppeln.

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Drei der Kuppeln auf dem Teufelsberg.

In der Abhörstation belauschten Amerikaner und Briten bis zum Ende des Kalten Krieges 1989 den Funkverkehr in den damaligen Ostblockstaaten. 1992 wurde das Gelände zurück in die Hände der deutschen Verwaltung übergeben und bis 1999 zur Flugsicherung genutzt.

Geplatzte Seifenblasen und Verfall

1996 wurde das Areal an einen privaten Investor verkauft und der hatte exklusive Pläne: Tagungshotel, Luxuswohnungen, Stadtvillen, Museum, Parkhaus und Restaurant sollten entstehen. Doch das Projekt scheiterte an den Protesten von Anwohnern und Naturschutzverbänden. Und auch der kuriose Plan des US-amerikanischen Starregisseur David Lynch einer Friedensuniversität platzte. 2003 stellte der Investor die Bewachung aus Kostengründen ein und Verfall sowie Vandalismus hielten Einzug: der Teufelsberg wurde endgültig zum Lost Place.

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Verlassen und mit Kunst überzogen: der Berliner Teufelsberg.

Der Teufelsberg heute

In den Böden klaffen Löcher, die Wände sind mit Graffiti besprüht, die Kunststoffhüllen der Radarkuppeln flattern im Wind, die Natur schießt durch die Ritzen und überdeckt langsam die Vergangenheit. Das ist der Teufelsberg heute.

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Der Teufelsberg verspricht spannende Ein- und Ausblicke.

Nachdem vor Kurzem ein neuer Pächter das Zepter übernommen hat, kann der Teufelsberg täglich von 10 Uhr bis Sonnenuntergang besichtigt werden. Euch erwarten Street Art, eine atemberaubende Aussicht und atmosphärischer Verfall.

Internationale Street Art so weit das Auge reicht

Mit rund 300 Bildern ist auf dem Teufelsberg im Laufe der Jahre die wohl größte Graffiti-Galerie Europas, wenn nicht sogar der Welt entstanden und sie wächst kontinuierlich weiter: In Zukunft soll es alle acht bis zwölf Monate einen Durchlauf geben – nur ausgewählte Kunst bleibt dauerhaft erhalten.

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Genau hinsehen lohnt sich – auch in der letzten Ecken finden sich noch spannende Motive.
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Wer den Teufelsberg besucht, sollte Zeit und Entdeckergeist mitbringen.

Ein Werk, das mir besonders im Gedächtnis geblieben ist, ist die Arbeit des gebürtigen Amerikaners Nick Flatt: „Fuck…anything“ ist eine Mischung aus Grafitti und Foto-Realismus und hat es kurz nach unserem Besuch in die internationale Klatschpresse geschafft. Auslöser war Jennifer Anistons Ehemann Justin Theroux, der das Bild auf Instagram gepostet hat. Findet ihr den Grund für die Aufregung?

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Das Werk des amerikanischen Künstlers Nick Flatt sorgte kürzlich international für Schlagzeilen.

Das Gelände des Teufelsbergs gleicht teilweise einer Müllhalde (der neue Pächter versucht, den Unrat nach und nach abzutransportieren) – aber auch hier findet sich an allen Ecken spannende Kunst:

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Früher Auto – heute Kunstobjekt.

Atemberaubende Ausblicke

Der Weitblick über Berlin ist imposant: der Glockenturm am Olympiastadion, das Rathaus Spandau, die Havel, der Wasserturm in Westend, die Türme vom Kraftwerk Reuter, die Charité in Mitte und natürlich der Berliner Fernsehturm – bei gutem Wetter scheint der Blick nahezu unendlich.

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Der Blick auf Berlin.
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Das Berliner Umland liegt einem zu Füßen.

Den höchsten Punkt des Teufelsbergs im Hauptturm erreicht man über ein unbeleuchtetes Treppenhaus. Um Unfälle zu vermeiden, sollte man hier sein Smartphone zur Hand haben – überhaupt ist auf dem gesamten Gelände Vorsicht geboten: es ist nur sehr provisorisch gesichert. Oben angekommen erwartet euch eine einmalige Akustik: Jeder Schritt hallt, jedes Flüstern wird als Echo zurückgeworfen.

Ein ganz besonderes Erlebnis ist, den Sonnenuntergang auf dem Teufelsberg zu erleben – aber seht selbst:

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Die Sonne verschwindet langsam am Horizont und zaubert einmalige Effekte.
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Mehr Atmosphäre geht kaum: Sonnenuntergang am Teufelsberg.

So geht es mit dem Teufelsberg weiter

Sämtliche Baugenehmigungen für den Teufelsberg sind erloschen, seit 2006 ist das gesamte Areal als Waldgebiet ausgewiesen. Der neue Pächter plant perspektivisch u.a. einen Biergarten und eine Galerie anzusiedeln, außerdem existieren Pläne für einen Hochseil-Parcours und eine Kletteranlage. Bauliche Veränderungen bedürfen allerdings einer Sondergenehmigung. Und so ist anzunehmen, dass der Teufelsberg den Besuchern in seiner jetzigen Form noch eine ganze Weile erhalten bleiben wird.

Informationen
Ausführliche Informationen zu den Öffnungszeiten finden sich auf der Website des Teufelsbergs. Aktuell werden bei einem Besuch 7 Euro Eintritt fällig. Freitag, Samstag und Sonntag werden darüber hinaus Führungen angeboten. Das Betreten des Geländes erfolgt auf eigene Gefahr.

Seid ihr schon einmal auf dem Teufelsberg gewesen? Was ist euch besonders in Erinnerung geblieben?

Tipp
Falls ihr auf der Suche nach weiteren Lost Places im Berliner Umland seid, empfehle ich euch einen Besuch der Beelitz-Heilstätten.

21 Gedanken zu “Teufelsberg Berlin: ein Lost Place als urbane Galerie

  1. Ich war im Mai auf dem Teufelsberg und sehr begeistert. Erstens über die Unkompliziertheit, mit der das Areal für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird, zweitens über die Kunst in jeder noch so kleinen Ecke, drittens über die Akustik in der oberen Kuppel und viertens über die Aussicht. Ich kann jedem Berlin-Besucher den Teufelsberg wärmstens empfehlen. Und da Du die Geschichte des Trümmerhaufens so toll beschrieben hast, dürfte doch bei manchen nun die Neugier geweckt sein, oder?
    Bei mir gibt es einen Blogbericht, was Lost Places in und um Berlin angeht, in dem auch der Teufelsberg einen Auftritt hat. Da es dort aber noch so viel zu entdecken gibt, muss ich nächstes Jahr wohl nochmal dorthin…

    Herzliche Grüße von
    Kerstin

    1. Und ich werde auf alle Fälle einiger Deiner Tipps erkunden 🙂 Das ehemalige Stellwerk in Pankow hört sich nämlich echt spannend an.
      Liebe Grüße
      Katharina

  2. Hallo Katharina,

    leider hat mich Berlin bis dato immer enttäuscht. Allerdings bin ich ein riesen Streetart und Urban Art Fan. Diesen Aspekt habe ich in Berlin noch nicht erkundet. Ich glaube dafür wird es Zeit. Der Teufelsberg hört sich erst gar nicht so spektakulär an. Deine Fotos und die Geschichte faszinieren mich total.

    Liebe Grüße
    Jessica

    1. Hallo Jessica,
      als Streetart-Fan ist der Teufelsberg definitiv die richtige Adresse für Dich! Aber auch sonst hat die Stadt bei dem Thema viel zu bieten. Ich drücke Dir die Daumen, dass Berlin Dich beim nächsten Besuch positiv überrascht!
      Liebe Grüße
      Katharina

  3. Liebe Katharina,

    ich bin gerade frisch nach Berlin gezogen und für jeden Tipp dieser Art dankbar. Berlin hat überhaupt so viel zu entdecken, dass ich gar nicht mehr hinterherkomme, Dinge und Orte zu entdecken.
    Ich werden den Teufelsberg spätestens im Frühling also einmal besichtigen. 🙂

    Viele liebe Grüsse
    Kathi

    1. Hallo Kathi,
      oh ja, Berlin bietet so unglaublich viel! Egal, wie oft ich die Stadt besuche – die Liste an Dingen und Orten, die ich entdecken will, wird einfach nicht kürzer. Wünsche Dir ganz viel Spaß bei Deiner Entdeckungsreise und freue mich über ganz viele Tipps… 😉
      Liebe Grüße
      Katharina

  4. Liebe Katharina, das kommt jetzt definitiv ganz oben auf die Liste für den nächsten Berlin-Besuch, die ITB naht ja schon :-). Street Art, tolle Ausblicke und interessante Einblicke, das scheint auf jeden Fall sehr lohnend zu sein. Jetzt bin ich total neugierig, danke für die Einblicke und die genialen Fotos! LG, Alexandra

    1. Liebe Alexandra,
      dann bin ich schon sehr gespannt auf Deine Bilder vom Teufelsberg – bis März wird sich dort sicher schon wieder einiges verändert haben 🙂
      Viele Grüße
      Katharina

  5. Liebe Katharina,

    Als ich das erste Mal Bilder vom Teufelsberg gesehen habe, dachte ich mir, dass gibt es doch gar nicht. So ein interessanter und irgendwie auch unheimlicher Ort. Deine Bilder unterstreichen das Ganze noch einmal und durch deine Hintergrundinformationen wird alles auch nochmal klarer. Danke dafür 🙂

    Vielleicht schaffe ich es ja zur ITB in Berlin ebenfalls dorthin. Denn den Teufelsberg will ich schon länger einmal sehen und vor allem auch fotografieren.

    Liebe Grüße,
    Lynn

    1. Liebe Lynn, drücke Dir die Daumen, dass Du die ITB mit dem einen oder anderen kleinen Ausflug verbinden kannst 🙂 Zum Fotografieren ist der Teufelsberg definitiv eine tolle Location!
      Viele Grüße
      Katharina

  6. Toller Bericht, liebe Katharina! Ich habe auf Instagram schon deine vielen tollen Streetart-Fotos bewundert 🙂 Sobald ich es mal nach Berlin schaffe, kommt dein Tipp ganz oben auf meine Liste! LG, Anita

    1. Liebe Anita,
      freut mich sehr, dass Dir meine Bilder gefallen 🙂 Habe gerade erst angefangen, mich mit dem Thema Fotografie ausführlicher zu beschäftigen – da gibt es ja so viel zu lernen…
      Viele Grüße
      Katharina

  7. Liebe Katharina,
    ich find ja deine Lost Places Fotos schon auf Instagram immer so toll. Richtig gut finde ich, dass du hier auch richtig viele Hintergrundinfos zum Teufelsberg recherchiert hast. Das ist mega-interessant!
    Danke dafür!
    LG Annika

    1. Danke für die Blumen liebe Annika 🙂 Ich fand die Geschichte so interessant, dass ich immer mehr Infos zusammengesucht habe. Das nächste Mal will ich unbedingt noch eine Führung machen – einer der Guides ist ein Amerikaner, der auf dem Teufelsberg stationiert war.
      Viele Grüße
      Katharina

  8. Ein wundervoller Ort mit kräftig Historie. Danke für die Tour und fürs recherchieren, Katharina! Orte wie dieser haben neben ihrem abgerocktem Charme noch etwas anderes, etwas Mystisches an sich. Einen Flair vergangener Zeiten und Ereignisse. Berlin ist einfach wunderbar. Verlassene Brauereien, ehemalige Spionage Anlagen Gallerien im 18. Stock und Kunst an jeder Ecke. Einfach zum Verlieben!

  9. Liebe Katharina,

    jetzt wohne ich schon fast 7 Jahre hier in Berlin und war noch nicht auf dem Teufelsberg. Gibt’s doch nicht. 😉 Wird wirklich mal Zeit. Ich mag solche Orte auch und hoffe, dass der Teufelsberg nicht allzu sehr als massentouristische Attraktion „verkommt“ und noch ein Weilchen so ursprünglich bleibt. Danke, dass du mich mit deinem Artikel mitgenommen hast. 🙂

    LG Daniela

  10. Wow, ich habe mal bei irgendwem Fotos von der Location gesehen, wusste aber bisher nie, wo das war – jetzt weiß ich es! Danke schon einmal dafür 🙂 Coole Fotos, ich mag solche Lost Places, obwohl ich bisher leider bei sehr wenigen gewesen bin. Der Teufelsberg kommt direkt mal auf meine Liste, für meinen nächsten Berlin Besuch…:)

  11. Hallo Katharina,
    coole Fotos hast du am Teufelsberg gemacht 🙂
    Ich war bei meinem Ausflug stundenlang unterwegs und ziemlich begeistert von diesem wunderbaren Ort. Der Blick auf Berlin und den Grunewald hat mich vor allem aufgrund der riesigen Grünflächen sehr überrascht.
    Mir ist besonders die einzigartige Akustik in der Antennenkuppel des Turms vom Tower Building in Erinnerung geblieben. Ein Aufstieg durch das dunkle Treppenhaus lohnt sich auf jeden Fall!
    Meine Eindrücke habe ich hier zusammengefasst: http://doriimwunderland.com/teufelsberg-berlin-aussergewoehnlicher-ort/

    Liebe Grüße aus dem Wunderland
    Dori

    1. Hallo Dori,
      lieben Dank 🙂 Der Teufelsberg ist wirklich toll. Ich habe mir fest genommen, dieses Jahr auch noch an einer der Führungen teilzunehmen. Werde gleich mal bei Dir auf dem Blog vorbeischauen.
      Viele Grüße
      Katharina

  12. Hey Katharina,
    ich finde Lost Places auch unheimlich spannend und den Teufelsberg habe ich auch schon lange auf dem Kieker. Dein Artikel und die tollen Fotos haben mir jetzt noch mehr Lust gemacht und ich werde das dieses Jahr auch endlich mal in Angriff nehmen. Falls du das noch nicht kennst, empfehle ich dir Vogelsang. Das ist eigentlich ein Ortsteil von Zehdenick in Brandenburg. Aber dort im Wald befinden sich noch die Reste eines der größten sowjetischen Militärstützpunkte in der DDR. Ein kleines Paralleluniversum, in dem es auch jede Menge zu entdecken gibt!
    Liebe Grüße
    Lu

    1. Hallo Lu,
      vielen Dank für den Tipp! Vogelsang sieht echt spannend aus. Wir sind Ende Mai ein paar Tage in Berlin – da könnte man super einen kleinen Abstecher einbauen…
      Liebe Grüße
      Katharina

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