Tuol Sleng Genocide Museum & Choeng Ek Killing Fields

Nachdenklich in Kambodscha: Tuol Sleng Genocide Museum & Choeung Ek Killing Fields

Auch wenn es traurig und beklemmend ist, ein Besuch des Tuol Sleng Genocide Museum und der Choeung Ek Killing Fields sollte man bei einer Reise nach Kambodscha unbedingt einplanen. Erst danach ist man in der Lage, das Land, seine Menschen und seine Geschichte richtig zu begreifen.

Eins noch vorweg: Wir haben an diesem Tag nur ein einziges Foto geschossen – einen Ausschnitt davon seht ihr oben. Alles andere hat sich – zumindest für mich – falsch angefühlt.

Die Schreckensherrschaft der Roten Khmer

Die Geschichte Kambodschas ist schrecklich und noch immer zum Greifen nah: 1975 übernahmen Pol Pot und seine Roten Khmer die Macht, leerten ganze Städte (Phnom Penh wurde innerhalb von nur drei Tagen entvölkert) und zwangen die Menschen zur Feldarbeit. Seine Vision war ein kommunistischer Agrarstaat. Ihr fielen innerhalb von drei Jahren, acht Monaten und 20 Tagen rund zwei Millionen Kambodschaner zum Opfer und damit gut 20 Prozent der Bevölkerung. Die meisten starben auf den Feldern, mindestens 20.000 Menschen wurden gefoltert und anschließend getötet. Beendet wurde die Schreckensherrschaft 1979 durch den Einmarsch vietnamesischer Truppen. Pol Pot und seine Anhänger flohen nach Thailand bzw. in die Region nahe Battambang und lebten dort weitgehend unbehelligt. Nur sehr wenigen wurde bis heute der Prozess gemacht und das Damoklesschwert der Roten Khmer schwebte noch bis zu Pol Pots Tod 1997 über dem Land.

Das Tuol Sleng Genocide Museum (S 21)

Wir entschieden uns, zuerst das Tuol Sleng Genocide Museum zu besuchen. Auf diesem ehemaligen Schulgelände wurden über 17.000 Menschen inhaftiert, gefoltert und ermordet. Nur sieben Menschen haben S 21 überlebt. Die Klassenzimmer sind zu Gefängniszellen umfunktioniert worden – hier stehen Eisenbetten, man sieht Fesseln und Blutspritzer. An der Wand hängen Bilder von den aufgefundenen Leichen.

Überhaupt sind es die Bilder, die einem traurig zurücklassen: Es sind hunderte Schwarz-Weiß-Fotos – von Männern, Frauen, Kindern. Die Roten Khmer haben ihre Folter penibel dokumentiert: Es existieren Verhörprotokolle, Aufzeichnungen der Folterungen, oft sogar der komplette Lebenslauf. Mir hat es an diesem Morgen mehr als nur einmal die Luft zum Atmen abgeschnürt.

Choeung Ek Killing Fields

Im Anschluss fuhren wir mit dem Tuk Tuk rund 45 Minuten zu den Choeung Ek Killing Fields. Hierher wurden alle Gefangenen gebracht, die die Hölle von S 21 überlebten – und dort getötet. In der Nacht, oft mit Axt und Hammer bei lauter Musik, damit niemand die Schreie hört. Selbst Babys fanden hier den Tod, an den Füßen gepackt und mit dem Kopf an den „Killing Tree“ geschlagen. Noch heute ragen Knochen und Kleidungsstücke aus dem Boden.

Der Rundgang durch die Killing Fields ist mit verschiedenen Stationen versehen an denen der Audioguide (auch auf Deutsch) sehr interessante Hintergrundinformationen liefert. Außerdem kommen Überlebende dieser Zeit zu Wort.

Auch wenn ich es anfangs bereits gesagt habe: Der Besuch des Tuol Sleng Genocide Museum und der Choeung Ek Killing Fields ist beklemmend und ganz sicher kein klassisches touristisches Vergnügen. Um das Land und seine Menschen zu verstehen, gehört es aus meiner Sicht aber dazu – vorausgesetzt man ist bereit, den Orten den gebührenden Respekt entgegenzubringen.

Im Überblick
Das Tuol Sleng Genocid Museum liegt in der Stadt, die Killing Fields rund 15 Kilometer außerhalb. Ein Tuk Tuk kostet für die gesamte Strecke zwischen 15 und 20 US-Dollar – je nach Verhandlungsgeschick.

Museum: 2 US-Dollar; von 7 bis 17.30 Uhr geöffnet
Killing Fields: 6 US-Dollar; von 8 bis 17 Uhr geöffnet

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